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Über tagesaktuelle Informationen hinaus finden Sie in dieser Rubrik Analysen, Hintergründe und Reportagen zu Logistik-Themen der Zeit.

Aspekte
17. Juni 2015

"Viele Perspektiven sorgen für einen besseren Blick" Netzwerk mit gelebten Kontakten

Herr Prof. Klumpp, welche Potenziale bietet der EffizienzCluster Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft zur Erweiterung ihrer Netzwerke? Im EffizienzCluster LogistikRuhr stehen die zentralen Zukunftsthemen der ... mehr

Herr Prof. Klumpp, welche Potenziale bietet der EffizienzCluster Akteuren aus Wirtschaft und Wissenschaft zur Erweiterung ihrer Netzwerke?
Im EffizienzCluster LogistikRuhr stehen die zentralen Zukunftsthemen der Logistik auf der Agenda. Damit werden die Akteure aus dem Cluster prinzipiell zu gefragten Experten – ob als Mitglieder von Kommissionen, als Referenten oder auch als Partner in neuen Projekten. Allein durch mein Engagement im Cluster hat sich die Größe meines wissenschaftlichen Netzwerks, also die Zahl der gelebten Kontakte, sicherlich verdoppelt; die Qualität der Kontakte ist deutlich gestiegen. Die vielen neuen Kontakte stehen dabei für viele neue Möglichkeiten.

Wen zählen Sie zu Ihrem wissenschaftlichen Netzwerk?
Für mich als Wissenschaftler ist es wichtig, mich mit anderen Wissenschaftlern auszutauschen, aber auch mit Vertretern aus Unternehmen und Verbänden. Der Kontakt in den Markt ist für die Forschung wichtiger denn je. Es ist ja auch viel effizienter, wenn mehrere Experten aus unterschiedlichen Richtungen über ein Thema diskutieren: Viele Perspektiven sorgen für einen besseren Blick.

Das gilt auch für die ESCO Reference Group „Transportation and Storage” der EU-Kommission, zu deren Vorsitzendem Sie vor zwei Jahren gewählt wurden. Welche Wechselwirkungen gibt es mit dem EffizienzCluster?
Wir arbeiten dort an einer Klassifizierung von European Skills/Competences, Qualifications and Occupations – kurz ESCO, daher der Namen der Gruppe – für die Logistik-Branche. In der Expertengruppe können wir auf die Ergebnisse aus unserem Cluster-Projekt „Wissenschaftliche Weiterbildung in der Logistik“ aufsetzen. Wir haben mit dem Projekt gewissermaßen ein gutes Stück Vorarbeit für die Arbeit dieser Expertengruppe geleistet, ohne zu wissen, dass es sie eines Tages geben würde. Das unterstreicht wiederum, wie gut der EffizienzCluster seine Themen ausgewählt hat und wie strukturiert die Akteure daran gearbeitet haben.

Können Sie ein Beispiel aus Ihrer Arbeit in der ESCO-Gruppe nennen?
Viele Berufsbilder in der Logistik sind noch alten Marktstrukturen geschuldet, z.B. der Postzusteller. Wir aktualisieren diese Berufsbilder, indem wir von den Kompetenzen ausgehen, die heute wirklich wichtig sind. Aus dem Postzusteller wird dann etwa ein Operator für Last Mile-Logistik. Unsere kompletten Ergebnisse dazu werden wir im kommenden Jahr vorstellen.

Sie haben auch immer wieder Ihre eigenen Projekte und Aktivitäten in den Cluster eingebracht – ein Beispiel dafür ist die Assoziierung Ihres Forschungsprojekts E-Route den Einsatz von Elektrofahrzeugen in Last-Mile-Verkehren.
Meine Überzeugung ist es, dass man viele Angriffspunkte und Kontakte braucht, um erfolgreich zu sein. Das ist ja auch ein wesentliches Kennzeichen des Netzwerkgedankens. Wenn viele Menschen an einem Thema arbeiten, kann man die Ergebnisse bündeln. Das erhöht die Relevanz. Mit dem Scientific Committee des EffizienzClusters haben wir beispielsweise die Buchreihe „Lecture Notes in Logistics“ im Springer Verlag angestoßen, in der inzwischen mehr als 20 Bände erschienen sind. Eines der jüngsten Bücher widmet sich dem Thema Humanitäre Logistik. Über dieses Promotionsthema einer Mitarbeiterin haben sich Kontakte zur Freien Universität Amsterdam, der Universität Bologna oder auch nach Singapur ergeben. Das ist genau der richtige Weg zu belastbaren internationale Kooperationen, aber auch zu neuen Forschungsprojekten, wie sie etwa aus der Zusammenarbeit mit Prof. Henk Zijm von DINALOG – Dutch Institute for Advanced Logistics am Buchband „Logistics and Supply Chain Innovation“ entstehen werden.

In welche Richtung würden Sie Ihr wissenschaftliches Netzwerk gerne noch weiter ausbauen?
Ich finde es wichtig, die Zusammenarbeit mit der Bundesvereinigung Logistik weiter zu stärken und auch mit ihrem Pendant auf europäischer Ebene, der European Logistics Association. Denn die Themen, die wir heute bearbeiten, müssen europäisch angegangen werden. Deshalb begrüße ich es auch sehr, dass der EffizienzCluster sein Netzwerk in den vergangenen Jahren gerade auch international erweitert hat – davon können Wissenschaft und Wirtschaft nur profitieren.

Zur Person
Prof. Dr. Matthias Klumpp war einer der wesentlichen Treiber des Forschungsprojektes WiWeLo (Wissenschaftliche Weiterbildung in der Logistik) und ist Mitglied des Scientific Committees des EffizienzClusters. Er ist Professor für BWL und Logistik an der FOM Hochschule Essen, Direktor des Instituts für Logistik- und Dienstleistungsmanagement an der FOM sowie Akademischer Rat am Institut für Produktion und Industrielles Informationsmanagement und Vorstandsmitglied des Zentrums für Logistik und Verkehr der Universität Duisburg-Essen.

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14. Juni 2015

Industrie 4.0: Technik, die dem Menschen dient

Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group besagt, dass Industrie 4.0 in den kommenden zehn Jahren sogar bis zu 390.000 neue Arbeitsplätze schafft. Das sind gute Nachrichten! Fest steht aber auch: Die ... mehr

Eine aktuelle Studie der Boston Consulting Group besagt, dass Industrie 4.0 in den kommenden zehn Jahren sogar bis zu 390.000 neue Arbeitsplätze schafft. Das sind gute Nachrichten! Fest steht aber auch: Die Arbeitswelt wird sich verändern: Der Mensch spielt eine neue Rolle, die Technik unterstützt ihn.

Automatische Transparenz entlastet den Menschen
Im Bewusstsein der Öffentlichkeit – und auch mancher Unternehmen – ist die Automatisierung das wesentliche Kennzeichen von Industrie 4.0. Eine 100-prozentige Automatisierung der physikalischen Prozesse werde es allerdings nicht geben, räumt Dipl.-Logist. Christian Prasse vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, im EffizienzCluster LogistikRuhr verantwortlich für das Innovationsmanagement, mit einem weit verbreiteten Missverständnis auf: „Heute geht es in erster Linie darum, die Erfassung und den Austausch von Informationen zu automatisieren. Diese so genannte automatische Transparenz ist der erste Schritt in Richtung Industrie 4.0, der zweite Schritt ist die automatische Interaktion der Güter. Beides entlastet den Menschen von manuellen – und letztlich fehleranfälligen – Tätigkeiten.“

Flexibilität ist weiterhin gefragt

Dabei ist der Mensch als „kognitiver Alleskönner“ auch im Zeitalter von Industrie 4.0 weiterhin gefragt. Kameras, wie sie im EffizienzCluster-Projekt Supply Chain Execution zur Qualitätsüberwachung in Supply Chains eingesetzt wurden, mögen Daten im System zuverlässiger erfassen als ein Mensch in einer Excel-Liste. Doch der Trumpf des Menschen ist seine Flexibilität – und die eröffnet ihm neue Gestaltungsspielräume. „Menschen wollen gestalten und sie können das im Rahmen von Industrie 4.0 auch“, so Christian Prasse. „Schließlich besitzt der Mensch jede Menge Sensoren und auch die notwendige Erfahrung. So kann er sich flexibel – täglich neu – auf die immer höher werdende Komplexität von Supply Chains und auch auf die Variantenvielfalt in der Produktion einstellen, die ein Roboter oder eine Software so nicht abschätzen kann.“

Ein Beispiel aus dem EffizienzCluster: Im Hub2Move – dem umzugsfähigen Distributionszentrum, das im Rahmen des gleichnamigen Cluster-Projekts am Fraunhofer IML entwickelt wurde – werden zwar die Prozesse automatisch gesteuert. Der Mensch aber muss einen solchen Hub2Move planen und umbauen, weiterentwickeln und verbessern. Für eine autonome Optimierung, also die künstliche Intelligenz, braucht die Forschung dann doch noch einige Jahrzehnte.

Aus- und Weiterbildung muss Schritt halten

Planungs- und Simulationstools, wie sie in verschiedenen Projekten im EffizienzCluster entwickelt worden sind, unterstützen den Menschen bei seinen Aufgaben maßgeblich – ob eine Navigationslösung für den Wirtschaftsverkehr, die es dem Lkw-Fahrer ermöglicht, seinen Weg schneller und ressourcenschonender zu finden, oder neue IT-gestützte Werkzeuge für die unterschiedlichsten Anwendungsfälle. „Wichtig ist, dass der Mensch – also die Mitarbeiter – für die neue Arbeitswelt ausreichend geschult wird“, verweist Christian Prasse auch auf die damit einhergehende Aufgabe, Technikakzeptanz zu fördern, denn: „Aufgabenfelder und Berufsbilder werden sich mit zunehmender Automatisierung verändern, IT-Kompetenz und IT-Sicherheit eine immer größere Rolle spielen.“ Bei Störungen an den Maschinen von heute kommt heute noch der Elektriker, für Störungen in den Multiagentensystemen der Zukunft braucht es dagegen den Informatiker.

Gezielte Aus- und Weiterbildungen sind ohne Alternative. Denn Automatisierung sichert durch eine höhere Qualität und eine höhere Produktivität die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Unternehmen – und schafft, wie der Studie der Boston Consulting Group zufolge, im Ergebnis auch Arbeitsplätze.

Wobei die Vorausplanung übrigens durchaus auch ihre Grenzen hat: Grundsätzlich sind zwar Prognosen ins Unendliche möglich – doch die brauchen ihre Zeit. Im Zweifel ist es dann aber schon zu spät, einzugreifen...

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01. Dezember 2014

Förderung gefordert

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Copyright ©duisport

Der Initiativkreis Ruhr hat in seinem Handlungspapier „Starke Industrie braucht modernes Umfeld“ weitere Investitionen in eine international leistungsfähige Logistik gefordert – eine von insgesamt ... mehr

Förderung gefordert

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Der Initiativkreis Ruhr hat in seinem Handlungspapier „Starke Industrie braucht modernes Umfeld“ weitere Investitionen in eine international leistungsfähige Logistik gefordert – eine von insgesamt drei Kernforderungen für die Rhein-Ruhr-Region. Auf dem Weg zu logistischen Zukunftslösungen gehört der Initiativkreis zu den wichtigen Unterstützern des EffizienzCluster LogistikRuhr.

Führende Unternehmen der deutschen Wirtschaft machen sich mit Nachdruck stark für neue Investitionen in die Wettbewerbsfähigkeit der Rhein-Ruhr-Region als einem der größten Ballungsräume Europas. „Starke Industrie braucht modernes Umfeld“ ist der Titel eines im November 2014 vorgelegten Handlungskonzeptes des Initiativkreises Ruhr. Initiativkreis-Moderator Klaus Engel verwies bei der Vorstellung des Konzepts auf die Stärken des Ruhrgebiets als einer wichtigen Industrieregion in Europa. Er mahnte aber: „Intakte Verkehrswege und zeitgemäße Infrastruktur, moderne Stadtviertel und leistungsstarke Logistik sind dabei Grundlagen für wirtschaftlichen Erfolg. Hier muss auch die öffentliche Hand handeln.“ Einen deutlichen Anstoß dafür will der Initiativkreis mit dem Handlungspapier geben.

Im Konzept heißt es über die aktuelle Situation im Ruhrgebiet unter anderem: „Um dem Aufbau Ost eine erfolgreiche Modernisierung des Ruhrgebiets folgen zu lassen und damit die Industrie der Region als Kraftpaket der deutschen Wirtschaft zu erhalten und zu stärken, braucht das Ruhrgebiet dringend Investitionen: in die Verkehrsinfrastruktur, in ein hoch modernes Umfeld aus Logistik und Mobilität und in nachhaltige Konzepte zur Standort- und Quartiersentwicklung.“

Logistik ist eines der wesentlichen Handlungsfelder des Initiativkreises. Vor diesem Hintergrund unterstützt das Unternehmensbündnis den EffizienzCluster LogistikRuhr, den größten Forschungs- und Innovationscluster der Logistik in Europa, bereits seit dem Gewinn des Spitzencluster-Wettbewerbs im Jahr 2010. Mit 30 Verbundprojekten und drei assoziierten Forschungsprojekten ging der größte Forschungs- und Innovationscluster der Logistik in Europa vor fünf Jahren an den Start. 120 Unternehmen und elf Forschungseinrichtungen traten gemeinsam an, die Logistik von morgen individueller und effizienter zu gestalten. Heute sind mehr als 170 Unternehmen und 28 wissenschaftliche Einrichtungen im Cluster aktiv. Sieben neue Forschungsprojekte außerhalb der Spitzenclusterförderung konnten bereits hinzugewonnen werden, weitere sind in der Pipeline. Das Gesamtvolumen des Clusters liegt inzwischen bei mehr als 110 Millionen Euro.

Von der Forschung in den Markt

In den Forschungsprojekten des Clusters sind inzwischen eine Vielzahl von Lösungen entwickelt worden, mit denen die Individualität von morgen mit 75 Prozent der Ressourcen von heute ermöglicht werden kann. Die Bandbreite dieser Lösungen ist enorm, die Ergebnisse bewegen sich auf unterschiedlichsten Ebenen. Die bisher vorliegenden Ergebnisse aus den Forschungsprojekten sind so gut, dass viele Lösungen bereits unmittelbar nach Projektabschluss bei den beteiligten Praxispartnern eingesetzt oder am Markt angeboten werden konnten. Weitere Modelle, Konzepte und Prototypen werden derzeit auf den Weg zu einer Nutzung in der Praxis gebracht.

Zwar braucht die Marktdurchdringung unserer Forschungsergebnisse und insbesondere der damit verbundene Einsatz neuer Technologien Zeit. „Doch bereits seit einiger Zeit beobachten wir eine deutliche Dynamisierung des Innovationsgeschehens der Logistik“, sagt Thorsten Hülsmann, Geschäftsführer der EffizienzCluster Management GmbH. So hat eine vor zwei Jahren unter Clusterpartnern durchgeführte Umfrage des EffizienzClusters Hebelwirkungen auf die Aktivitäten außerhalb der geförderten Projekte nachgewiesen, insbesondere im Hinblick auf den Anstieg von Forschung und Entwicklung in Unternehmen. Davon profitiert auch die Metropole Ruhr – und damit die Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Region.“
 

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14. November 2014

Wie KMUs Industrie 4.0 mitgestalten können

Die Logistik ist ein integraler Bestandteil von Industrie 4.0. Sie versteht sich als Motor für die Weiterentwicklung von Produktions- und Logistikprozessen und -ketten. „Kleine und mittlere Unternehmen ... mehr

Die Logistik ist ein integraler Bestandteil von Industrie 4.0. Sie versteht sich als Motor für die Weiterentwicklung von Produktions- und Logistikprozessen und -ketten. „Kleine und mittlere Unternehmen haben jetzt die Chance, Industrie 4.0 und damit die vierte industrielle Revolution aktiv mitzugestalten. Da sie vielfach Teil von Geschäftsmodellen und Prozessketten sind, sind sie auch aufgerufen zu handeln, um ihre Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit zu sichern“, erklärt Dr. Christian Jacobi, Vorsitzender der Geschäftsführung der EffizienzCluster Management GmbH. „In dem derzeitigen Entwicklungsstadium von Industrie 4.0 können sie ihre Vorstellungen und Interessen in Bezug auf die Verknüpfung logistischer Prozesse und die Verwendung neuer Technologien gezielt einbringen.“

Schritt für Schritt zu Industrie 4.0

Industrie 4.0 wird nicht über Nacht kommen. „Eine sanfte Migration ist möglich: Der Weg geht vom Monitoring zur Selbststeuerung“, sagt Christian Prasse, Leiter Strategische Entwicklung am Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund, im EffizienzCluster verantwortlich für das Thema Innovationsmanagement.
Ein Beispiel sind Transport- und Lagerprozesse. In einem ersten Schritt lassen sich sämtliche Materialflüsse erfassen und visualisieren, so dass logistische Prozesse transparenter werden. In einem nächsten Schritt können intelligente Objekte bzw. Systeme eingesetzt werden, z.B. Behälter, die in der Lage sind, ihre Bestände eigenständig zu überwachen und selbsttätig Nachbestellungen auszulösen.
Der EffizienzCluster LogistikRuhr hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Effizienz logistischer Prozesse auf der Basis des Internets der Dinge voranzutreiben. Forschung und Innovationen entwickeln sich entlang der Leitlinie „Effizienz durch Autonomisierung logistischer Prozesse“. Unternehmen, die diese Entwicklungen nicht verpassen wollen, haben die Möglichkeit, sich dem EffizienzCluster anzuschließen. Durch eine Mitgliedschaft im EffizienzCluster Logistik e.V., dem Netzwerk der Unternehmen, partizipieren sie vom aktuellen Know-how im Cluster und zahlreichen spannenden, auch internationalen Kontakten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, sich in Forschungsprojekten zu engagieren – die EffizienzCluster Management GmbH berät Unternehmen entsprechend, vermittelt Know-how, Kontakte und Partner.

Logistiker tragen mehr Verantwortung

In der Welt von Industrie 4.0 wird der Beruf des Logistikers technischer, kreativer und verantwortungsvoller. „Wir müssen Industrie 4.0 so konzipieren, dass die Maschinen den Menschen von den einfachen und körperlich anstrengenden Arbeit entlasten, und der Mensch so in die Lage versetzt wird, das zu tun, was er am besten kann: Entscheidungen treffen“, so Christian Prasse. „Es ist ein Kennzeichen der modernen Logistik, dass diese Entscheidungsfindung natürlich auch von Software unterstützt wird.“ Eine vernetzte Produktion ohne den Menschen? Die wird es ebenso wenig geben wie eine Industrie 4.0 ohne Logistik.

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02. Oktober 2014

Treffpunkt Europa beim 31. Deutschen Logistik-Kongress

Innovationen für die Logistik von morgen entstehen im Europa von heute: Die Europäische Union bietet Unternehmen mit zahlreichen Initiativen, Netzwerken und Programmen spannende Möglichkeiten, Forschung ... mehr

Innovationen für die Logistik von morgen entstehen im Europa von heute: Die Europäische Union bietet Unternehmen mit zahlreichen Initiativen, Netzwerken und Programmen spannende Möglichkeiten, Forschung zu gestalten und Innovationen voranzutreiben. Deshalb hat der EffizienzCluster seine EffizienzCluster-Lounge auf dem Deutschen Logistik-Kongress in Berlin zum Treffpunkt Europa gemacht. Hier ist abseits des Messetrubels Raum für Begegnungen mit internationalen Experten, hier finden erstmals aber auch Hintergrundgespräche im kleinen Kreis statt.

Insgesamt fünf dieser Gespräche hat der EffizienzCluster organisiert

• Am ersten Tag, Mittwoch, 22. Oktober, heißt es von 11.00 bis 11.30 Uhr „Aus- und Weiterbildung: Europa zieht an einem Strang“. Maria Beck, Mitglied der Geschäftsleitung des Weiterbildungsberaters GlobalGate GmbH, Guido Follert vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und Heinz Ackermann vom Bundesministerium für Bildung und Forschung informieren darüber, wie sich Unternehmen in die Konzeption eines globalen Aus- und Weiterbildungsprogramms für die Logistik einbringen können. Für weitere Themen rund um die Weiterbildung in der Logistik stehen Vertreter der GlobalGate in der Knowledge-Lounge auf dem Deutschen Logistik-Kongress zur Verfügung.
Von 14.30 bis 15.00 Uhr lautet das Thema „Horizont 2020: Forschung lohnt sich“. Dagmar Grote Westrick und Christian Prasse von der EffizienzCluster Management GmbH, verantwortlich für das Management internationaler Projekte, informieren darüber, welche Ausschreibungen für die Logistik interessant sind und wie Unternehmen daran teilnehmen können.

• Am Donnerstag, 23. Oktober, geht es von 11.00 bis 11.30 Uhr um „Die Logistik hinter den Lebensstilen: Kann Konsum nachhaltig sein?“ Über Forschungsaktivitäten zu nachhaltigen Logistikdienstleistungen und -strukturen auf europäischer Ebene informiert Klaus Krumme, Geschäftsführer des Zentrums für Logistik & Verkehr ZLV der Universität Duisburg-Essen, ebenso wie über (neue) Forschungsprojekte im Bereich nachhaltiger Lebensstile – spannend für Logistikdienstleister mit starkem Fokus auf Endkunden.
„Mit ALICE ins Wunderland der Forschung“ gelangen Teilnehmer des Hintergrundgesprächs von 16.00 bis 16.30 Uhr. Möglichkeiten und Chancen zur Zusammenarbeit mit der Europäischen Technologieplattform für Logistik zeigen Thorsten Hülsmann, Geschäftsführer der EffizienzCluster Management GmbH, und Andreas Nettsträter, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, auf.

• Am Freitag, 24. Oktober, steht von 11.00 bis 11.30 Uhr das Hintergrundgespräch „Smart Urban Logistics: Die Rolle der Logistik in der Stadt der Zukunft“ auf dem Programm. Klaus Krumme, Geschäftsführer des Zentrums für Logistik & Verkehr ZLV der Universität Duisburg-Essen, und Dr. Tobias Hegmanns vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, Institutsbereich Unternehmenslogistik, bieten einen Einblick in den Forschungscall ERA Net on Smart Urban Futures und laden zur Kooperationsfindung für ein Forschungsvorhaben zum smarten Ressourcenmanagement ein.

Jetzt anmelden

Anmeldungen per E-Mail unter veranstaltung@effizienzcluster.de oder am Stand des EffizienzClusters auf dem Deutschen Logistik-Kongress im Wintergarten (W10).

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30. September 2014

Warum das Prinzip Vernetzung immer wichtiger wird

Warum das Prinzip Vernetzung immer wichtiger wird

„Industrie 4.0 zählt zu den Wachstumsquellen von morgen. Kaum eine andere Branche hat das Prinzip Vernetzung, das Industrie 4.0 zugrunde liegt, bereits heute so verinnerlicht wie die Logistik.“ ... mehr

Warum das Prinzip Vernetzung immer wichtiger wird

„Industrie 4.0 zählt zu den Wachstumsquellen von morgen. Kaum eine andere Branche hat das Prinzip Vernetzung, das Industrie 4.0 zugrunde liegt, bereits heute so verinnerlicht wie die Logistik.“ Dies hatte Dr. Christian Jacobi, Vorsitzender der Geschäftsführung der EffizienzCluster Management GmbH, zum Auftakt des Zukunftskongress Logistik – 32. Dortmunder Gespräche erklärt. Die spannenden Expertenvorträge, intensiven Diskussionen und das Prinzip Vernetzung wirken in der Branche nach.

Die Forschung zu Industrie 4.0 läuft auf Hochtouren und für Logistikunternehmen wird es immer wichtiger, sich an Forschungsprojekten zu beteiligen, um intelligente Technologien zur Reife zu bringen. Denn Forschung und Innovationen sind der Schlüssel für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der Logistik in Deutschland. Darin waren sich Mitte September die mehr als 500 Teilnehmer des Zukunftskongresses, der vom EffizienzCluster LogistikRuhr und dem Fraunhofer-Institut für Logistik und Materialfluss IML ausgerichtet wurde, einig. Jetzt gelte es, die innovativen Basis- und Informationstechnologien – ob Internet der Dinge oder Cloud Computing – auch wirklich zu nutzen und insbesondere neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

>> Fotos vom Zukunftskongress finden Sie auf unserer Facebook-Seite.

IT als Wettbewerbsfaktor
Als entscheidender Wettbewerbsfaktor für Industrie 4.0 wurde die Software identifiziert – das Bindeglied zwischen Information und Produktion. „Statt mit den Systemen zu leben, die die Software-Industrie uns anbietet, muss die Logistik zu der führenden Instanz in der Software-Produktion werden. Dies kann nur durch einen radikalen Wandel in der Software-Entwicklung gelingen. Wir müssen in Deutschland künftig Software produzieren wie Autos – zielgerichtet, informationseffizient und ökonomisch“, forderte Prof. Dr. Michael ten Hompel, geschäftsführender Institutsleiter am Fraunhofer IML. Wie Logistikunternehmen und Forschung den Wandel vorantreiben wollen, zeigte die Bekanntgabe der Gründung des „DB Schenker Enterprise Lab for Logistics and Digitization“ bekannt. Dabei werden Mitarbeiter von Schenker gemeinsam mit Wissenschaftlern des Fraunhofer IML an innovativen Logistiklösungen und Prozessinnovationen rund um die Digitalisierung arbeiten.
 

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29. April 2014

Globalisierung, Technologie, Mensch: Zukunftskongress mit neuen Impulsen

Globalisierung, Technologie, Mensch:  Zukunftskongress mit neuen Impulsen

Warenströme, Datenströme, Geldströme – alles befindet sich weltweit im Fluss. Dabei gilt: Je vernetzter die Wirtschaft, umso stärker die positiven Effekte der Globalisierung. Dieses „Prinzip ... mehr

Globalisierung, Technologie, Mensch:  Zukunftskongress mit neuen Impulsen

Warenströme, Datenströme, Geldströme – alles befindet sich weltweit im Fluss. Dabei gilt: Je vernetzter die Wirtschaft, umso stärker die positiven Effekte der Globalisierung. Dieses „Prinzip Vernetzung“ mit seinen vielen Facetten ist der Leitgedanke des Zukunftskongresses Logistik – 32. Dortmunder Gespräche vom 16. bis 17. September 2014. Vernetzung ist jedoch nicht nur eine treibende Kraft für die Globalisierung, sondern auch für die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien – Stichwort: Industrie 4.0 – und das Leben in unserer modernen Gesellschaft. Vor diesem Hintergrund widmet sich das ZukunftsPlenum des Zukunftskongresses in drei Sequenzen den Zukunftstreibern Globalisierung, Technologie und Mensch.

Gastgeber des Kongresses sind der EffizienzCluster LogistikRuhr und das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML. Das ZukunftsPlenum am ersten Kongresstag wird vom EffizienzCluster gestaltet. Am zweiten Kongresstag macht das Fraunhofer-Symposium Industrie 4.0 das Prinzip Vernetzung konkret – mit Vorträgen und Workshops über Cyber-Physical-Systems, das Internet der Dinge und Dienste und die Menschen, die bei der 4. industriellen Revolution im Fokus stehen.

Zukunftstreiber Globalisierung
Deutschland gehört laut einer aktuellen Studie des Beratungsunternehmens McKinsey zu den großen Gewinnern des weltweiten Handels – weil die Wirtschaft so gut vernetzt ist. Die Logistik ist einer der wichtigsten Knotenpunkte im internationalen Wirtschaftssystem, das Supply Chain Management ein Taktgeber. Neben dem amerikanischen Markt und dem europäischen Markt gilt Asien als einer der wichtigsten Ziel- und Wachstumsmärkte für Logistikdienstleistungen und -produkte. Die Globalisierung ist also auch für die Logistik ein wesentlicher Zukunftstreiber.
>> Das ZukunftsPlenum fragt nun danach, wie es der Branche jetzt gelingen kann, sich noch besser zu vernetzen – und so den Takt der Globalisierung vorzugeben. Namhafte Experten erläutern Zukunftsfragen des grenzüberschreitenden Warenaustauschs aus wirtschafts- und finanzpolitischer Sicht. Die Referenten sind Prof. Dr. Dirk Messner, Direktor des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik (DIE), Markus Wohlgeschaffen, Managing Director, Head of Global Trade Finance & Services, Global Transaction Banking, UniCredit Bank AG, Johannes Söllner, Managing Director, Geis Holding GmbH & Co. KG und Prof. Dr. Uwe Kubach, Vice President IoT Enablement, Products and Innovation, SAP AG.

Zukunftstreiber Technologie
Keine Frage: Hochtechnologie hat Hochkonjunktur, aber kann sie auch für Hochkonjunktur sorgen? Der Einsatz technologischer Innovationen eröffnet der Logistik derzeit noch vielfach ungeahnte Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung: Die intelligente Automatisierung bietet ebenso hohe Potenziale wie der 3D-Druck. In einem Beitrag von 2012 zur Zukunftsstudie Delivering Tomorrow von Deutsche Post DHL bezeichnet Johan Peter Paludan, Director Emeritus am Copenhagen Institute for Futures Studies (CIFS), den 3D-Druck zwar noch als „unwahrscheinlichen Joker“. Würde dieser jedoch gezogen, seien die klassischen Logistikanbieter die „Leidtragenden“. Auch die Tageszeitung „Die WELT“ titelte 2013: „3D-Drucker lehren die Logistiker das Fürchten“. Inzwischen jedoch wendet sich das Blatt: Die Logistikdienstleister gehen proaktiv – als Vordenker – daran, ihre Chancen in der Welt des 3D-Drucks auszuloten. Das Prinzip Vernetzung kommt auch hier wieder zum Tragen.
>> Das ZukunftsPlenum stellt die Frage, ob und wie Logistiker zu Produzenten und Händler zu Logistikern werden können. Stellung dazu beziehen Dr. Eric Klemp, Commercial Director, DMRC – Direct Manufacturing Research Center, Jochen Dittrich, Director European Facilities Engineering & Packaging bei Amazon Logistik, Dr. Karl-Rudolf Rupprecht, Vorstand von Lufthansa Cargo, und Frank Sportolari, President von UPS Deutschland.

Zukunftstreiber Mensch
Das Prinzip Vernetzung ist heute auch eine treibende Kraft in der Gesellschaft: Gemeinschaftliches Denken und Handeln gewinnt mehr und mehr an Bedeutung – im Privaten wie im Beruflichen, in den Lebensstilen wie in den Arbeitsweisen. Die Shareconomy, also die Ökonomie des Teilens, ist in aller Munde. Ist Teilen nun ein neuer Trend – oder unterliegen wir eher einem „Terror des Teilens“, wie die Tageszeitung FAZ im vergangenen Jahr einen Beitrag zum Thema überschrieb.
>> Das ZukunftsPlenum geht der Frage nach, wie drängend die Notwendigkeit für die Logistik ist, die eigenen Strukturen dem Wandel der neuen vernetzten Communitys und einem kollaborativen Konsum anzupassen – und wie groß die Chancen für neue Geschäftsmodelle sind. Trendforscher Prof. Dr. Peter Wippermann von der Folkwang Universität der Künste in Essen und Hubertus Heil, Mitglied des Bundestags, werden diese Themen aus ihrer Sicht beleuchten.

Diskussion: Zukunftstreiber oder Zukunftshype?
Die Logistik ist traditionell eher eine vom Tagesgeschäft und den aktuellen Anforderungen ihrer Kunden getriebene Branche. Doch mehr und mehr positioniert und profiliert sie sich mit neuen wegweisenden Lösungen als Zukunftstreiber. Nachhaltigkeit, Ressourceneffizienz, Internet der Dinge, Industrie 4.0 sind hier nur einige Stichworte. Doch wie weit kann und muss die Logistik angesichts der drängenden Gegenwartsprobleme wirklich Zukunft vordenken und vorwegnehmen?
>> „Zukunftstreiber oder Zukunftshype – zu viel Zukunft für den Logistiker?“ ist daher auch die Podiumsdiskussion überschrieben, die das ZukunftsPlenum beschließt. Vertreter von smarten kleinen, erfolgreichen mittelständischen und namhaften Großunternehmen, u.a. Aibotix und Schenker Deutschland, die allesamt weltweit unterwegs sind, werden Prinzipien ihrer Zukunftsstrategien aufzeigen – und der Logistik damit sicherlich Mut machen, die Zukunft vorauszuplanen.

Jetzt anmelden!

Zum Zukunftskongress Logistik können Sie sich bereits jetzt anmelden. Die Teilnahmegebühr für den gesamten Kongress beträgt 850 Euro (zzgl. 19 % MwSt.). Sie haben aber auch die Möglichkeit, einen einzelnen Tag zu buchen. Der Besuch kostet 450 Euro (zzgl. 19 % MwSt.). Die Abendveranstaltung am 16. September 2014 ist in allen Buchungen enthalten. Zur Anmeldung geht es hier.

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13. Februar 2014

Grün, grüner, Wettbewerbsvorteil: Öko-Controller blicken voraus

Grün, grüner, Wettbewerbsvorteil: Öko-Controller blicken voraus

Die grüne Logistik hatte es lange nicht leicht gehabt in Deutschland: Maßnahmen zur Erfassung und Reduzierung von CO2- und Treibhausgasemissionen (THG) galten in der Branche gemeinhin wenn nicht als Hype, ... mehr

Grün, grüner, Wettbewerbsvorteil: Öko-Controller blicken voraus

Die grüne Logistik hatte es lange nicht leicht gehabt in Deutschland: Maßnahmen zur Erfassung und Reduzierung von CO2- und Treibhausgasemissionen (THG) galten in der Branche gemeinhin wenn nicht als Hype, so doch als Kostentreiber. Diesem Eindruck allerdings widersprachen jetzt Experten aus zahlreichen Unternehmen beim Gipfeltreffen der Öko-Controller in Dortmund mit Nachdruck. Die Veranstaltung wurde ausgerichtet vom EffizienzCluster Logistik e.V., der Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund und dem EffizienzCluster-Projekt LOG4GREEN. Nicht nur die Referenten des Gipfeltreffens, sondern auch die Teilnehmer maßen der grünen Logistik von heute einen hohen Stellenwert bei – und zwar als Kostensenker wie als Innovationstreiber.

Green Logistics-Projekte rechnen sich

Wettbewerbsvorteil oder Hype?, diese Frage schwebte gleichsam über dem Gipfeltreffen. Moderator Thorsten Hülsmann, Geschäftsführer der EffizienzCluster Management GmbH (ECM), hakte bei den Experten vor Ort nach. Marc Laux, Projektleitung Forschung & Entwicklung der Spedition Schmidt-Gevelsberg in Schwelm, verwies darauf, dass es für die Logistik immer relevanter werde, Kennzahlen zu ermitteln: „Die Nachfrage der Verlader ist schon da!“ Die Spedition ist einer der Praxispartner im EffizienzCluster-Projekt Green Logistics, das Projektleiterin Dr. Kerstin Dobers zuvor vorgestellt hatte, und hat in einer Fallstudie zur ökologischen Fahrweise durchweg positive Erfahrungen gemacht: „Das Projekt hat sich gerechnet: Die Sensibilisierung unserer Lkw-Fahrer für eine umweltgerechte Fahrweise hat aus dem Stand eine unmittelbare Kraftstoff-Einsparung von sieben Prozent ergeben.“

Die grüne Logistik, sie ist längst kein Investment ohne direkten Return mehr. Darauf verwies auch Jörg Friedrichs, Senior Experte Umweltplus bei der Deutschen Post AG. Wie die Spedition Schmidt-Gevelsberg ist das Unternehmen einer der Praxispartner von Green Logistics. In einer Fallstudie bei der Deutschen Post haben die Green Logistics-Forscher die Wertschöpfungskette von Briefsendungen am Standort Greven betrachtet und erhebliches Einsparpotenzial beim Stromverbrauch aufgespürt: Über alle Standorte hinweg kann die Deutsche Post durch schnell umzusetzende Maßnahmen eine Million Kilowattstunden pro Jahr einsparen.

Bereits im laufenden Prozess habe das Unternehmen die Empfehlungen umgesetzt, so Friedrichs: „Das Engagement im Forschungsprojekt hat sich für uns allein dadurch ausgezahlt.“ Einen weiteren Mehrwert sieht der Logistikexperte auch in der Zusammenarbeit mit den direkten Wettbewerbern: „Im Interesse einer grünen Logistik müssen alle an einem Strang ziehen. In einem Forschungsprojekt wie Green Logistics besteht dabei ja auch die Möglichkeit, mit Wettbewerbern zu diskutieren und so manches voneinander zu lernen.“

Grüne Logistik aus Leidenschaft

Auch für Christophe Campe, Geschäftsführer des Palettendienstleisters CHEP in Deutschland, ist die grüne Logistik längst kein Hype mehr, sondern „die Eintrittskarte für zukünftige Geschäftsmodelle.“ Campe hatte zuvor über die bemerkenswerte Logistik-Initiative Lean and Green berichtet, die ihren Anfang in den Niederlanden genommen hat und in Deutschland seit Oktober 2013 von GS1 Germany gemanagt wird. Unternehmen aus dem Bereich Handel, Logistik und Industrie können sich um den Lean and Green-Award bewerben, indem sie einen Aktionsplan zur Reduzierung von CO2-Emissionen vorlegen.
Das Ziel ist ehrgeizig: Innerhalb von höchstens fünf Jahren soll der CO2-Ausstoß um mindestens 20 Prozent zurückgehen. Der Aktionsplan wird von unabhängigen Experten geprüft. Nach der erfolgreichen Umsetzung werden die Unternehmen mit dem Lean and Green-Star ausgezeichnet. Award und Star verstehen sich als Gütesiegel. Die Unternehmen seien mit großer Leidenschaft dabei, so Campe.

Bei Lean and Green kann das Unternehmen selbst entscheiden, mit welchen Daten, welchen Verfahren und welchem Scope es ins Rennen geht, solange diese den gängigen Anforderungen zur nachvollziehbaren Berechnung von CO2 Emissionen entsprechen. Die neutrale Prüfung stellt sicher, dass die Messlatte hoch liegt.

Bislang nehmen knapp 400 Unternehmen an der Initiative teil, eine Ausweitung zu einem einheitlichen, gesamteuropäischen Programm ist das langfristige Ziel von Lean and Green.

Systemdefinition ist erforderlich

Patric Pütz, Senior Expert Shared Value bei Deutsche Post DHL, verwies ebenfalls darauf, dass die Grüne Logistik langfristig Wettbewerbsvorteile bringe. Im „Hier und Jetzt“ sei jedoch die eingeschränkte Transparenz - gerade bei fremdvergebenen Transporten – eine enorme Herausforderung.. Pütz engagiert sich für die Initiative Green Freight Europe, die sich zu Beginn der Veranstaltung präsentierte und sich dieser Aufgabe annimmt. Unternehmen stellen sich hier ebenfalls der Herausforderung, ihre CO2-Emissionen zu reduzieren – und zwar, anders als bei Lean and Green, auf Basis einer standardisierten Emissionsberechnung.

Trotzdem sei im Bereich der standardisierten Erfassung, Bewertung und Zertifizierung logistischer Leistungen und Systeme das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, da waren sich die Öko-Controller einig. Zu unübersichtlich, zu wenig ver-gleichbar und deutlich erklärungsbedürftig seien die heutigen Berechnungen und Darstellungen: „Wir können da noch wesentlich besser werden!“

Vor diesem Hintergrund unterstrich ECM-Geschäftsführer Thorsten Hülsmann die Notwendigkeit einer Systemdefinition mit einheitlichen Berechnungsmethoden im europäischen Kontext: „Die Logistik überschreitet Grenzen und sie beschränkt sich heute längst nicht mehr auf den reinen Transport: Deshalb sind wir gefordert, eine grüne Logistik europäisch zu denken und über die gesamte Logistikkette hinweg.“ Mit dem EU-Projekt LOG4GREEN ist der EffizienzCluster LogistikRuhr bereits in ganz Europa vernetzt und entwickelt eine internationale strategische Forschungs- und Handlungsagenda – ein Ideenpool auch für Logistik-Unternehmen, die mit grüner Logistik ihre Vorteile im Wettbewerb weiter ausbauen wollen.


Die Präsentationen der drei Initiativen liegen hier zum Download bereit.
 

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30. Januar 2014

smaRTI beflügelt Entwicklung von Trackingtool bei Lufthansa Cargo

smaRTI beflügelt Entwicklung von Trackingtool bei Lufthansa Cargo

Flexibel, kostengünstig, immer und überall einsetzbar: Mit einem neuen Trackingtool bietet Lufthansa Cargo ihren Kunden maximale Transparenz und eine präzise Sendungsverfolgung im Internet an. Die ... mehr

smaRTI beflügelt Entwicklung von Trackingtool bei Lufthansa Cargo

Flexibel, kostengünstig, immer und überall einsetzbar: Mit einem neuen Trackingtool bietet Lufthansa Cargo ihren Kunden maximale Transparenz und eine präzise Sendungsverfolgung im Internet an. Die Idee für das Tool entstand im Rahmen der Entwicklung der intelligenten Luftfrachtpalette im Forschungsprojekt smaRTI des EffizienzCluster LogistikRuhr. Das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML und Lufthansa Cargo erforschen in einem smaRTI-Teilprojekt gemeinsam die Voraussetzungen für einen selbststeuernden Materialfluss in der Luftfracht. Auf Basis der ersten Forschungsergebnisse hat Lufthansa Cargo – parallel zum Projekt – nun eine autarke Trackinglösung entwickelt. Der neue Dienst ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie theoretisches Wissen in der Praxis – fast aus dem Stand – nutzbar gemacht werden kann, wie aus Wissen ohne Umwege Innovationen entstehen, mit denen Unternehmen Wettbewerbsvorteile erzielen.

Viele Hürden in der Luftfracht

Fraunhofer IML und Lufthansa Cargo hatten im Zuge ihrer gemeinsamen Forschung verschiedenste Technologien für die intelligente Luftfrachtpalette getestet. Dazu gehörten die AutoID-Lösungen RFID und NFC sowie die Telematiklösungen GPS und GSM. Einen ersten Prototyp der intelligenten Luftfrachtpalette präsentierten die Projektpartner im April 2012 auf der ersten Themenmesse des EffizienzClusters in Dortmund. Der Prototyp konnte jedoch nicht alle an die intelligente Luftfrachtpalette gestellten Anforderungen erfüllen. Platz- und Empfangsprobleme hielten die Forschung auf Trab. „Luftfrachtpaletten haben einen Rahmen in dem die Technologie untergebracht werden muss und da ist nur wenig Spielraum.“, skizziert smaRTI-Projektleiter Björn Anderseck eine der wesentlichen Herausforderungen aus wissenschaftlicher Sicht. „Außerdem sind die herkömmlichen Paletten aus Aluminium gefertigt, das Material schirmt ab.“ Niko Hossain von Lufthansa Cargo, Projektleiter des smaRTI-Teilprojekts Luftfracht, waren darüber hinaus die Folgekosten des Einsatzes bestimmter Technologien ein Dorn im Auge: „Die Energie- und Wartungskosten der Akkus sind hoch, bei GSM kommen beträchtliche Roaminggebühren hinzu.“ Last, but not least sah man noch Hürden bei der Zertifizierung intelligenter Paletten durch die zuständigen Behörden, etwa der EASA, der European Aviation Safety Agency.

Viele Daten für wenig Geld

Die Fortschritte in der Forschung zeigten jedoch: Die Zeit für mehr Transparenz der Transportkette in der Luftfracht war reif. Parallel zum EffizienzCluster-Projekt suchte Lufthansa Cargo nach einer sofort einsetzbaren Trackinglösung – und fand sie auch. Für die Sendungsverfolgung in Echtzeit werden jetzt Transponder auf Basis der Mobilfunktechnologie GSM eingesetzt. Die 50 Gramm leichten Geräte in Scheckkartengröße werden der Fracht beigelegt. Die Lösung reicht damit technologisch nicht so weit wie das Ziel, das man sich im smaRTI-Projekt gesteckt hat. Doch sie ist funktional und pragmatisch. „Die Nutzung der GSM-Infrastruktur ist kostengünstig, Investitionskosten wie bei RFID entfallen“, bringt Niko Hossain die Vorteile auf den Punkt: „Wir bekommen damit viele Daten für wenig Geld und können unseren Kunden genau den Service bieten, den sie heute brauchen.“

Fracht jederzeit im Blick

Lufthansa Cargo stellt dem Kunden Trackinggeräte auf Mietbasis zur Verfügung. Der Absender kann den Transponder der gewünschten Sendung selbst beilegen, der Empfänger schickt ihn an den Absender zurück. Mit dem Trackingdienst haben die Kunden ihre Frachtsendungen jederzeit im Blick, treffsicher bis auf wenige Hundert Meter, fast überall auf der Welt. Der Ortungsservice erstreckt sich über die gesamte Lieferkette, also auch über die Vor- und Nachlauflogistik. An Bord des Flugzeugs schaltet sich das Berät automatisch aus und nach der Landung wieder an.

Lösung ist „ein Fuß in der Tür“

Für Björn Anderseck und Niko Hossain ist die von Lufthansa Cargo entwickelte Trackinglösung „ein Fuß in der Tür zur intelligenten Luftfrachtpalette“. Denn: „Die intelligente Palette ist natürlich wei-terhin unser Ziel!“ Die Forschung im Verbundprojekt smaRTI soll nun auf Basis der so genannten Lightweight Palette aus Verbundstoffen weiter vorangetrieben werden. Bei Projektstart war dieser innovative Ladungsträger noch Zukunftsmusik.
Die weitere Forschung kann nun zwei Wege einschlagen: Zum einen besteht die Möglichkeit, die von der Lufthansa erprobte Technologie in die neue Palette zu integrieren. Zum anderen könnten doch auch wieder andere Technologien zum Zuge kommen, da in den kommenden Monaten Lösungen für die aktuellen Wartungs- und Zertifizierungsprobleme in Sicht sind.
Die Intelligenz am Ladungsträger selbst ist aus logistischer Sicht jedenfalls unverzichtbar: Denn erst sie ermöglicht eine gezielte Prozesssteuerung und bietet das Potenzial für Optimierungen im Distri-butionsprozess. Durch die Kombination von Tracking-Technologien und dem Konzept des Internet der Dinge werden völlig neue Qualitäten logistischer Services geschaffen – smaRTI macht´s möglich!

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04. September 2013

Yes, we can: So sind Unternehmen in Sachen Innovation gut unterwegs

Yes, we can: So sind Unternehmen in Sachen Innovation gut unterwegs

Innovationen in der Logistik sind Investitionen in die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen: Die Logistik ist mehr denn je aufgefordert, ihre Gestaltungsspielräume und Chancen zu nutzen. ... mehr

Yes, we can: So sind Unternehmen in Sachen Innovation gut unterwegs

Innovationen in der Logistik sind Investitionen in die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen: Die Logistik ist mehr denn je aufgefordert, ihre Gestaltungsspielräume und Chancen zu nutzen. Im Rahmen des ZukunftsPlenums des Zukunftskongresses Logistik Anfang September in Dortmund haben hochkarätige Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft aufgezeigt, wie sich die Logistik durch Innovationen noch stärker als Gestalter profilieren und positionieren kann. Jürgen Gerdes, Mitglied des Vorstandes von Deutsche Post DHL, brachte das Innovationsgeschehen in seinem Unternehmen dabei auch einmal ganz plakativ auf den Punkt: „Wenn Sie jeden Tag versuchen, ein Problem zu lösen, das Sie haben, dann sind Sie als Unternehmen in Sachen Innovation gut unterwegs.“

5 Faktoren für den Innovationserfolg

In vielen Vorträgen und Diskussionen* beim ZukunftsPlenum wurden weitere sehr konkrete Erfolgsfaktoren für Innovationen in der Logistik deutlich:

• Mega-Trends nutzen. Die Deutsche Post DHL setzt auf die so genannte „Kreuzung von Megatrends der Gesellschaft“. So hat der Post- und Logistikkonzern als der Kombination der Trends „Veränderte Konsumgewohnheiten“, „Neue Technologien“ und „Alternde Bevölkerung“ die Convenience Logistik als erfolgversprechendes Geschäftsfeld entwickelt. Mit der Plattform allyouneed.com bietet die Deutsche Post DHL inzwischen eine eigene Online-Plattform für die Bestellung von Lebensmitteln an, die Schritt für Schritt ausgebaut wird. Auch das Innovationsprinzip Nachhaltigkeit kann ein wichtiger Auslöser und Treiber für profitable Geschäftsaktivitäten sein, wie die Schachinger Logistik Holding aus Österreich beweist. Nachhaltiges Wirtschaften wird damit zu einer Marke, die auch über Europa hinaus bekannt und anerkannt ist.

• Daten analysieren. Das Technologie- und Trend-Thema Big Data wird mehr und mehr zur Basis für neue Geschäftsmodelle. Für Kühne + Nagel International sind die Analyse und das Verständnis von Daten heute sogar wesentlich für den wirtschaftlichen Erfolg – sowohl für den der Kunden als auch für den des Logistik-Unternehmens selbst: Danach verkauft Kühne + Nagel inzwischen nicht mehr nur Logistik, sondern vielmehr auch die Information zur Logistik. Dabei müssen sich Unternehmen jedoch stärker als bisher um die Datensicherheit und die rechtlichen Rahmenbedingungen zur Verwendung der Daten kümmern. In der ersten Euphorie über die Möglichkeiten, die sich aus der Nutzung von Daten ergeben, hat manches Unternehmen den Schutz der Daten durchaus vernachlässigt.

• Strukturen schaffen. Innovationsprozesse müssen diszipliniert sein und mit klaren Prozessen und Kriterien hinterlegt werden. Die Gestaltungsspielräume für den Einzelnen müssen dabei jedoch hoch sein, so das Credo der Sick AG, Hersteller von Sensoren. Entwickler müssen auch die Chance haben, Budgets zu überziehen, wenn sie für eine Sache brennen, oder eine Entwicklung in den Papierkorb zu werfen, wenn sie von ihr nicht länger überzeugt sind.

• Sich öffnen. Wichtig für eine hohe Innovationsdynamik ist zudem eine Balance zwischen Push-Innovationen, die von neuen Technologien und unabhängig vom Markt getrieben werden, und Pull-Innovationen, die vom Kunden initiiert sind bzw. sich an Kundenbedürfnissen ausrichten. Die Logistik darf dabei nicht darauf warten, dass die Kunden ihr einen „Wunschzettel“ vorlegen. Sie muss vielmehr ein Selbstverständnis als Lösungsanbieter entwickeln. Ein weiteres Plädoyer für offene Innovation lautet: mit den Kunden den nötigen Lernschritt machen, sich von wissenschaftlicher Seite begleiten lassen. Denn: Der Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft kommt bei der Umsetzung guter Ideen in Innovationen insgesamt eine wesentliche Bedeutung zu.

• Interdisziplinär denken. Innovation erfordert stets auch ein Denken in interdisziplinären Zusammenhängen – sowohl von Seiten der Wissenschaft als auch von Seiten der Unternehmen. Der Grundstein dafür muss heute bereits in der Ausbildung der nachwachsenden Generation von Logistikern gelegt werden, zum Beispiel durch neue Fächerkombinationen, die den komplexeren Anforderungen der zukünftigen Logistik stärker Rechung tragen.

Von der Logistik wird mithin die Quadratur des Kreises verlangt: Immer schneller soll sie sein und immer flexibler, aber auch immer effizienter und immer nachhaltiger. Die Herausforderung ist gewaltig, aber ebenso sind es die Gestaltungsmöglichkeiten. Die Logistik kann jetzt beweisen, dass sie die innovative Kraft dazu besitzt.

 

Die fünf Faktoren für den Innovationserfolg sind auf der Basis der Vorträge und Wortbeiträge der Referenten und Diskussionsteilnehmer des ZukunftsPlenums auf dem Zukunftskongress Logistik entstanden. Dazu gehörten: Jürgen Gerdes, Mitglied des Vorstands, Deutsche Post DHL, Dr. Harald Schöning, Head of Research, Software AG, Martin Kolbe, Chief Information Officer, Kühne + Nagel International, Prof. Dr. Boris Otto, Audi-Stiftungslehrstuhl Supply Net Order Management der TU Dortmund, Prof. Dr. Jakob Rehof, Institutsleiter am Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST, Prof. Dr. Klaus Mainzer, Direktor des Munich Center for Technology in Society der TU München, Lars Nagel, Geschäftsführer GlobalGate, Hans Botho von Portatius, Präsident der Hochschule Fresenius, Dr. Ingo Rollwagen, Deutsche Bank Research, Reinhard Bösl, Vorstandsmitglied, Sick AG, Prof. Dr. Katja Windt, Provost und Geschäftsführerin der Jacobs University Bremen, Stefan Vaillant, CTO von Cumulocity, Heinz Paul Bonn, Vorstandsvorsitzender der GUS Group, Prof. Michael Henke, Institutsleiter am Fraunhofer IML, Max Schachinger, Geschäftsführer von Schachinger Logistik, und Erich Staake, Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG sowie Prof. Dr. Michael ten Hompel, Geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer IML, Dr.-Ing Christian Jacobi, Vorsitzender der Geschäftsführung der EffizienzCluster Management GmbH, und Thorsten Hülsmann, Geschäftsführer der EffizienzCluster Management GmbH. Herzlichen Dank für informative und spannende Beiträge.
 

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14. März 2013

Neuer Antrieb für Unternehmen

Neuer Antrieb für Unternehmen

Antriebs- und Batterietechnologien, Ladeinfrastrukturen oder Netzintegrationen: Das sind die Themen, um die sich derzeit die politische und öffentliche Diskussion zur Elektromobilität dreht. Im Fokus dabei: ... mehr

Neuer Antrieb für Unternehmen

Antriebs- und Batterietechnologien, Ladeinfrastrukturen oder Netzintegrationen: Das sind die Themen, um die sich derzeit die politische und öffentliche Diskussion zur Elektromobilität dreht. Im Fokus dabei: Der private Pkw. Mit dem Forschungsprojekt E-Route lenkt Prof. Dr. Matthias Klumpp den Blick jetzt jedoch auf den Einsatz von batteriebetriebenen Nutzfahrzeugen, Forschungsfeld ist die Last-Mile-Logistik: „Nachhaltigkeit ist der Zukunftstrend für die Logistik: Die gewerbliche Nutzung von Elektromobilität spielt dabei eine denkbare Rolle – und die Last-Mile-Logistik, mit den in der Regel kurzen Touren, ist ein relevanter Anwendungsfall“, erklärt Prof. Dr. Klumpp, wissenschaftlicher Direktor des ild Institut für Logistik- & Dienstleistungsmanagement der FOM Hochschule in Essen.

Versuchsmodelle und Pilotreihen mit batteriebetriebenen Nutzfahrzeugen auf der Last-Mile laufen bereits in so manchem Logistik-Unternehmen. Ziel bestehender Projekte ist es, die Potenziale der E-Mobilität zu analysieren und Anhaltspunkte für die Verbesserung der Technik zu gewinnen. Das Forschungsprojekt E-Route geht jetzt den entscheidenden Schritt weiter: Es beschäftigt sich konsequent mit dem betriebswirtschaftlichen Nutzen gewerblicher Elektromobilität: „Wir wollen Unternehmen konkrete Entscheidungshilfen an die Hand geben, die es ihnen ermöglichen, Investitionen in die Elektromobilität unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten zu kalkulieren“, so Prof. Dr. Klumpp. „Unser erklärtes Ziel ist es, Anreize für den Eintritt in das e-mobile Zeitalter zu schaffen.“

Investitionen in die Zukunft

Die Wissenschaftler nehmen dazu konsequent den Blickwinkel der Unternehmen ein: Mess- und Testfahrten mit einem batteriebetriebenen Transporter sind ein Herz- und Kernstück der Forschungsarbeit. „Wir sind direkt vor Ort, beobachten und analysieren Folgen und Wirkungen“, erklärt Christian Witte, wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuständig für die Projektkoordination von E-Route. „Daraus leiten wir im Ergebnis unsere Empfehlungen für Prozess-, Dispositions- und Routenanpassungen ab.“

Bereits bei der Konzeption des Forschungsprojekts in Zusammenarbeit mit den Praxispartnern Deutsche Post DHL und der Apothekergenossenschaft NOWEDA aus Essen haben sich die Forscher intensiv damit beschäftigt, wo den Unternehmen in der Praxis der Schuh drückt. Die Deutsche Post DHL verfügt – insbesondere aus Studien mit ingenieurwissenschaftlichem und technischem Fokus – bereits über einige Erfahrungen mit gewerblicher E-Mobilität. Circa 150 batteriebetriebene Lieferwagen sind bei der Post heute im versuchsweisen Einsatz – bei einem Fuhrpark von 80.000 Fahrzeugen noch ein verschwindend kleiner Anteil.

Tourenplanung aus der Praxis für die Praxis

Für die betriebswirtschaftliche Betrachtung ist die Reichweite der batteriebetriebe-nen Nutzfahrzeuge ein erfolgskritischer Parameter. Die Forscher von E-Route sehen ihren Schwerpunkt darin, den begrenzten Aktionsradius der Fahrzeuge durch neue intelligente Prozesse wettzumachen. Mit der Aufspaltung einer längeren Tour in mehrere kleinere ist es dabei nicht getan. Beim Praxispartner Deutsche Post DHL liegt die durchschnittliche Tourenlänge ohnehin deutlich unterhalb der Reichweite der Elektronutzfahrzeuge. Der Teufel steckt nicht nur in einem, sondern in vielen Details. So ist Tour nicht gleich Tour. Führt der Weg durch hügeliges Gelände und/oder ist es draußen kalt, dann sinkt die Reichweite der Elektronutzfahrzeuge aufgrund technischer Restriktionen der Batterien deutlich.

Hinzu kommt, dass die Ladeanzeige – anders als bei einem herkömmlichen Fahrzeug –zu ungenau ist: Unabhängig von den Rahmenbedingungen lässt sich kaum feststellen, ob die Batterie nun noch 10, 20 oder 30 Kilometer durchhält. Zwischen zwei Touren auftanken? Fehlanzeige! Damit sich die vom Händler versprochene Lebensdauer nicht verkürzt, sollte die Batterie nur alle zwei Tage geladen werden – was wiederum bei der Tourenplanung berücksichtigt werden muss.

Weiterbildung in allen Bereichen

Als weiteren ökonomischen Faktor haben die Forscher von E-Route das Thema Mitarbeiterqualifizierung auf ihre Agenda gesetzt: Der Einsatz neuer Technologien erfordert auch eine entsprechende Aus- und Weiterbildung, wie beispielsweise die Fahrerschulung. Forschungsgegenstand ist in diesem Fall der Führerschein. Derzeit werden in Last-Mile- überwiegend Transporter eingesetzt, die von jedem Besitzer eines Pkw-Führerscheins gefahren werden können. Durch die Zuladung der Batterien übersteigt das Gewicht der Elektronutzfahrzeuge jedoch schnell die zulässige Grenze von 3,5 Tonnen. Die Folge: Unternehmen, die ihren Fuhrpark um batteriebetriebene Fahrzeuge ergänzen, müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter ihre Fahrerlaubnis „upgraden“.

„Der Qualifizierungsbedarf zieht sich aber durch alle Bereiche und Ebenen“, betont Thomas Keuschen, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter des ild bei E-Route die Weiterbildungsthematik betreut. „So müssen Disponenten auf die veränderten Prozesse geschult und Kfz-Mechaniker im Bereich Fahrzeugwartung weitergebildet werden.“

Handbuch als Wegbereiter

Die Forscher von E-Route sind sich bewusst, dass gewerbliche Elektromobilität auch in Zukunft kein Massenthema sein wird. „Die betriebswirtschaftlichen Grundlagen, die wir in unserem Projekt schaffen, sind jedoch eine Grundvoraussetzung dafür, dass es überhaupt in die Breite gehen kann“, weiß Prof. Dr. Matthias Klumpp. Als Projektergebnis wird E-Route ein unternehmens- und praxisorientiertes Handbuch für „Elektronutzfahrzeuge in der Last-Mile-Logistik“ vorlegen – inklusive einer Investitionskalkulation, vielen Checklisten und Guidelines.

Das Forschungsprojekt E-Route ist am ild entwickelt worden und wird vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union über eine Laufzeit von 31 Monaten gefördert. Aufgrund der vielfältigen thematischen Querbezüge zu den Forschungsfeldern des EffizienzCluster LogistikRuhr hatte Projektleiter Prof. Dr. Matthias Klumpp im vergangenen Jahr den Antrag gestellt, E-Route als assoziiertes Projekt in den Cluster aufzunehmen. Diesem Antrag hat das Scientific Committee, der wissenschaftliche Beirat des Clusters, im Februar 2013 entsprochen. E-Route ist dem Leitthema Güterverkehrsmanagement, einem von sieben zentralen Innovationskorridoren im Cluster, zugeordnet und wird vom Ministerium für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (MWME) aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung - Investition in unsere Zukunft - der EUROPÄISCHEN UNION gefördert.

Klick-Tipps
>> Den Projekt-Steckbrief finden Sie
hier
>> Informationen zum Projekt erhalten Sie auch beim ild Institut für Logistik- & Dienstleistungsmanagement

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10. September 2012

Effiziente Logistik macht Städte attraktiv

Effiziente Logistik macht Städte attraktiv

Vernetzung von Technologien und Kollaboration von Unternehmen sind das Fundament für eine nachhaltige urbane Versorgung Modelle, Prototypen und Demonstratoren aus fünf Forschungsprojekten ... mehr

Effiziente Logistik macht Städte attraktiv
  • Vernetzung von Technologien und Kollaboration von Unternehmen sind das Fundament für eine nachhaltige urbane Versorgung

  • Modelle, Prototypen und Demonstratoren aus fünf Forschungsprojekten sorgen für Einsparung von Ressourcen, z.B. durch 20 Prozent weniger LKW-Kilometer

Städte sind nach wie vor ein Garant für Wachstum und Wohlstand in der Gesellschaft. Das sich verändernde Konsumverhalten, die zunehmende Verkehrsdichte sowie Energiebedarf und Ressourcenverbrauch bringen die Städte an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit: „Die urbane Versorgung steht auf dem Prüfstand: Damit unsere Metropolen lebenswert bleiben, brauchen wir ressourcenschonende Lieferkonzepte und umweltfreundliche Mobilität“, erklärt Dr.-Ing. Christian Jacobi, Vorsitzender der Geschäftsführung der EffizienzCluster Management GmbH (ECM). In fünf wissenschaftlichen Projekten im Leitthema „Urbane Versorgung“ – eines von sieben Zukunftsfeldern der Logistik im EffizienzCluster – entwickeln Wissenschaft und Wirtschaft bereits entsprechende Lösungen.

Stadt-Projekte machen gute Fortschritte

„Zu unseren Herausforderungen gehören individualisierte Kundenwünsche, die damit verbundene Atomisierung des Liefervolumens, die begrenzten Infrastrukturen der Stadt und die Verkehrsdichte, aber auch die alternde Gesellschaft mit ganz neuen Mobilitäts- und Konsumwünschen“, so Christiane Auffermann, Leitthemenentwicklerin Urbane Versorgung, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund. In den auf bis zu fünf Jahre angelegten Forschungsprojekten, die Mitte 2010 ihre Arbeit aufgenommen haben, sind bereits erste Modelle, Prototypen und Demonstratoren entstanden, die Antworten auf die Herausforderungen geben:

  • Im Projekt Urban Retail Logistics haben die Forscher die Handelswelten der Zukunft erforscht, Handelstypen bzw. Handelsformate und deren Sortimente erfasst und als „Bausteine“ mit logistischen Kriterien hinterlegt. Insgesamt wurden 22 Bausteine vom Convenience Store über Supermärkte, Cash & Carry-Märkte bis hin zur Heimbelieferung für eCommerce untersucht und kategorisiert. Künftig werden durch diese Bausteine Bündelungspotenziale für eine urbane, kooperative Belieferung gehoben.
  • Ein weiteres Leuchtturmprojekt ist die eBase4Mobility, die unterschiedlichste Technologien miteinander vernetzt: Ein vollautomatisches Parkhaus mit Regal-Blocklagerung für PKW wird dabei zum Lager und Lieferstützpunkt für Wirtschaftsverkehre. Das urbane Depot dient zudem dem Aufbau von Infrastrukturen für den verstärkten Einsatz von Elektromobilität. Der Entwurf für eine Photovoltaik-Fassade, mit der das Parkhaus zum Energie-Erzeuger wird, liegt bereits vor. Noch sind 93,7 Prozent des Verkehrsaufkommens abhängig vom fossilen Energieträger Öl. Ein Versuchsfahrzeug nutzt die elektromobile Infrastruktur, um über eine Onboard-Elektrolyse Wasserstoff zur Substitution fossiler Kraftstoffe zu erzeugen. Diese Hybridvariante ist künftig für die Nachrüstung konventioneller Fahrzeuge und damit für eine breitere Nutzung der Lade-Infrastruktur vorgesehen.
  • Gleich in zwei Projekten stehen flexible, maßgeschneiderte Navigationslösungen, mit denen die Verkehrsflüsse in Ballungsräumen verbessert werden sollen, auf der Forschungsagenda. Die Partner von Dynamics in Navigation haben bereits den Prototyp für eine neue Generation vorausschauend agierender Navigationssysteme vorgestellt, die dynamische Verkehrsinformationen verarbeiten. Der erste Prototyp der Urban Business Navigation-Anwendung ist ebenfalls in der Testphase, eine branchenindividuelle Navigationslösung für städtische Wirtschaftsverkehre. Im Rahmen der vorhergehenden Impact Analyse zeigte sich unter anderem, dass LKW, die das System nutzen, bis zu 20 Prozent der gefahrenen Kilometer einsparen können. Dank präziser Geokoordinaten verbessern sich darüber hinaus die Grundlagen für die Tourenplanung.
  • Die rechtssichere Übergabe von Waren an den Verbraucher ist Gegenstand von ePOD@Home. Hierfür wird der neue elektronische Personalausweis als Basistechnologie eingesetzt. Derzeit wird im Projekt der Prototyp eines Softwaremoduls für den elektronischen Online-Bestellprozess entwickelt, seit Anfang August auch das Modul für den mobilen (Offline-)Zustellprozess. Inzwischen sind weitere Partner in das Projekt eingestiegen, um ePOD@Home im Sinne eines proof of concept weiter voranzutreiben.

In der Zukunft der Stadt liegt die Zukunft der Unternehmen

Ziel des EffizienzClusters ist es, die Individualität von morgen – im Sinne individueller Warenversorgung, Mobilität und Produktion – mit 75 Prozent der Ressourcen von heute zu ermöglichen: „Damit wir das Effizienzpotenzial der Stadt nutzen und ausschöpfen können, bedarf es vor allem zwei Faktoren“, so Dr.-Ing. Christian Jacobi. „Zum einen müssen wir neue Technologien nutzen und miteinander kombinieren, wie dies in den Projekten des EffizienzClusters zur urbanen Versorgung bereits deutlich wird. Zum anderen müssen mehr Unternehmen kooperieren – mit der Forschung und miteinander. Damit leisten sie nicht nur einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Stadt, sondern auch zur eigenen Wettbewerbsfähigkeit.“

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10. September 2012

Impluse aus aller Welt

Impluse aus aller Welt

EffizienzCluster LogistikRuhr und Fraunhofer IML organisieren gemeinsam internationale Wissenschaftskonferenz zum Zukunftskongress Logistik 2013 EffizienzCluster LogistikRuhr gibt wissenschaftlichen ... mehr

Impluse aus aller Welt
  • EffizienzCluster LogistikRuhr und Fraunhofer IML organisieren gemeinsam internationale Wissenschaftskonferenz zum Zukunftskongress Logistik 2013

  • EffizienzCluster LogistikRuhr gibt wissenschaftlichen Sammelband „Efficiency & Logistics“ heraus

Das Thema Internationalisierung steht auf der Agenda des EffizienzCluster LogistikRuhr ganz oben: Im September 2013 werden nun erstmals Wissenschaftler aus der ganzen Welt in Dortmund zur International Logistics Science Conference zusammenkommen und in der Logistik-Metropole Ruhr ihre Forschungsergebnisse vorstellen. Damit wird die Bedeutung der Region als internationaler Wissenschaftsstandort für Logistik weiter gestärkt.

Mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) und der Technischen Universität (TU) gehört Dortmund schon seit vielen Jahren zu den international führenden Adressen für Logistikforschung – doch im September 2013 werden jetzt erstmals Wissenschaftler aus der ganzen Welt zu einer Wissenschaftskonferenz ersten Ranges nach Dortmund kommen: zur International Logistics Science Conference. Die Konferenz hat Prof. Dr.-Ing. Uwe Clausen in seiner Funktion als Vorsitzender des Scientific Committee, dem Gremium der Forschungs- und Bildungspartner des EffizienzClusters, aber auch als Institutsleiter an der TU Dortmund und am Fraunhofer IML, initiiert: „Es ist an der Zeit, dass wir internationale Logistikforscher dorthin einladen, wo das Herz der Logistik schlägt – in die Logistik-Metropole Ruhr.“

Die International Logistics Science Conference (ILSC) wird am 4. September 2013 stattfinden. Der „Call for Papers“ wurde soeben auf dem Zukunftskongress Logistik veröffentlicht. Gegenstand der Konferenz sind die zentralen Herausforderungen der Logistikforschung und der Logistik selbst. „Logistikforschung soll Strukturen und Prozesse effizienter machen“, so Prof. Clausen. Vorgestellt werden sollen Forschungsergebnisse sowohl zu innovativen Komponenten als auch zu integrierten Systemen für alle Logistikbereiche. Ein Fokus liegt dabei – ganz im Sinne des EffizienzCluster LogistikRuhr – auf Projekten, die mehr Effizienz, Nachhaltigkeit und Anpassungsfähigkeit versprechen. Die ILSC wurde bewusst auf den zweiten Tag des Zukunftskongresses Logistik gelegt. Die Konferenz ist zwar ganz der Wissenschaft vorbehalten, dennoch ist ein intensiver internationaler Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gewollt und gewünscht.

Ganz im Sinne der Internationalisierung der Inhalte im EffizienzCluster erscheint mit der wissenschaftlichen Publikation „Efficiency & Logistics“ im 4. Quartal 2012 im Springer Verlag eine Sammlung von Fachbeiträgen zu den Forschungen aus den 27 Verbundprojekten der ersten Förderphase. Initiiert von Prof. Clausen leistet der Sammelband einen nachhaltigen Beitrag zur wissenschaftlichen Reputation des EffizienzClusters und sorgt für den Informations- und Wissenstransfer in die wissenschaftliche Gemeinschaft.

Den Call for Papers finden Sie hier.

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11. Juli 2012

Wissenstransfer, Qualifizierung und Logistikeffizienz im Netzwerk

Wissenstransfer, Qualifizierung und Logistikeffizienz im Netzwerk

Wissen wird mehr und mehr zum Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Im Duisburger Hafen, dem größten Binnenhafen der Welt, entsteht derzeit eine Beratungs- und Coachingstelle ... mehr

Wissenstransfer, Qualifizierung und Logistikeffizienz im Netzwerk

Wissen wird mehr und mehr zum Erfolgsfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Im Duisburger Hafen, dem größten Binnenhafen der Welt, entsteht derzeit eine Beratungs- und Coachingstelle für Wissenstransfer, Qualifizierung und Logistikeffizienz: die DIALOGistik Duisburg hat sich zum Ziel gesetzt, die Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der Unternehmen im Hafen zu erhöhen. Mit einem intensiven Dialog zwischen Wissenschaft und Wirtschaft will die DIALOGistik Duisburg besonders kleine und mittelständische Unternehmen bei Themen rund um Personal und Qualifizierung, der effizienten Gestaltung von Logistikprozessen oder Fragen zu Corporate Social Responsibility unterstützen.

Am 28. August fällt der offizielle Startschuss für die zentrale Anlaufstelle aller im Duisburger Hafen ansässigen Unternehmen, das sich in ein lebendiges Netzwerk des Wissens entwickeln wird. Schon die feierliche Eröffnung steht im Zeichen des Wissenstransfers zwischen Theorie und Praxis, präsentieren doch die verantwortlichen Lehrstuhlinhaber die wesentlichen Erkenntnisse aus den drei Forschungsprojekten, die hinter der DIALOGistik Duisburg stehen:
• das Forschungsprojekt WiWeLo (Wissenschaftliche Weiterbildung in der Logistikbranche), in dem innovative Qualifizierungskonzepte entwickelt werden, die den Kompetenzbedarf entlang der gesamten Wertschöpfungskette bei den Industrie- und Handelsunternehmen, den Logistikdienstleistern und Transportunternehmen abdecken,
• das Forschungsprojekt Organisatorische Innovationen mit Good Governance in Logistiknetzwerken, in dem ein Fokus auf die Entwicklung verantwortungsbewusster Lieferketten gelegt wird, und
• das Forschungsprojekt CoReLo  (Integriertes CSR-Management in Logistiknetzwerken), das sich mit speziellen Fragen der ökonomischen, sozialen und ökologischen Verantwortung von kleinen und mittelständischen Logistikdienstleistern und Logistiknetzwerken auseinandersetzt.
Was in diesen Projekten unter Federführung der Universität Duisburg-Essen erdacht und entwickelt wird, geht über die DIALOGistik in den ersten Praxistest. Die Unternehmen im Hafen können Piloten und Prototypen kostenlos nutzen. Ihre Erfahrungen im Umgang mit neuen Methoden und Werkzeugen sollen dann in die Produkte und Dienstleistungen einfließen, um diese noch zu verbessern und bis zur Marktreife zu treiben.

Unternehmen profitieren von konkreten Angeboten

Darüber hinaus wird die DIALOGistik weitere unternehmensrelevante Themen – vor allem auch im Bereich der Weiterbildung – identifizieren und Angebote entwickeln. Bereits im September beginnt die erste Weiterbildung zum “Multimodale/r Logistik/er“. Geplant ist auch ein „Logistikmonitor Duisburg“, der den Arbeits- und Ausbildungsmarkt evaluiert und die Wirtschaftsstruktur analysiert oder ein Lieferkettenkonfigurator für eine effiziente Planung der Supply Chain. Dass Nachhaltigkeit auch und gerade in der Logistik zum wettbewerbsentscheidenden Thema wird, wissen die Branchenexperten schon seit langem. Doch kleine und mittelständische Unternehmen wissen oft nicht, wie sie das Thema bearbeiten sollen – und welche (wirtschaftlichen) Vorteile nachhaltiges Handeln haben kann. Auch hier setzt die DIALOGistik Duisburg an. Aus dem Forschungsprojekt CoReLo – wie seine beiden Schwesterprojekte Organisatorische Innovationen mit Good Governance in Logistiknetzwerken und WiWeLo Teil des EffizienzCluster LogistikRuhr – entsteht ein Nachhaltigkeitscheck „Logistik“, ein Leitfaden zur Stakeholderanalyse und Good-Practice Fallstudien als Ideengeber für die Umsetzung eigener Nachhaltigkeitsstrategien.

Vom Hafen für den Hafen

Sämtliche Angebote werden speziell auf die Bedürfnisse von Hafenunternehmen zugeschnitten. Arbeitskreise mit dem Schwerpunkt Personalmanagement, Workshops zum Thema Nachhaltigkeit oder anlassbezogene Beratungen in Expertenrunden finden künftig in den Räumen der DIALOGistik im Duisburger Hafen statt. Der Bedarf ist groß: Rund 300 logistikorientierte Unternehmen sind am größten europäischen Binnenhafen tätig. Die Marktstellung des Hafens steht und fällt mit der Leistungsfähigkeit seiner Unternehmen. Der Duisburger Hafen hatte daher auf Anregung seiner Kunden die Einrichtung einer Servicestelle für die am Hafen ansässigen Unternehmen initiiert.
Denn: Mit der zunehmenden Globalisierung, der stärkeren Nachfrage von ressourcenschonenden Logistik und dem Einsatz neuer Technologien steigen die Anforderungen an die Unternehmen und ihre Mitarbeiter in der Hightech-Branche Logistik. So ist die DIALOGistik auch ein Serviceangebot des Hafens für seine Kunden, dass von interessierten Unternehmen im Förderverein mit getragen und entwickelt wird.

Kontakt:
Katja Wenkel
Leiterin DIALOGistik Duisburg
Im Freihafen 6c
Hafennr.: 3512
D-47138 Duisburg
Tel.: +49 203 803 4476
Mobil: +49 151 54376783
Email: katja.wenkel@dialogistik-duisburg.de

Bildnachweis: duisport AG

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09. Juli 2012

Intelligenter Materialfluss führt durch die Logistics Mall

Intelligenter Materialfluss führt durch die Logistics Mall

Bis zu 1.000 Europaletten werden im Modellversuch des Verbundprojekts smaRTI einmal ihre Kreise ziehen – vom Paletten-Dienstleister zum Hersteller in den Handel, und zurück. Nahezu 500 dieser Ladungsträger ... mehr

Intelligenter Materialfluss führt durch die Logistics Mall

Bis zu 1.000 Europaletten werden im Modellversuch des Verbundprojekts smaRTI einmal ihre Kreise ziehen – vom Paletten-Dienstleister zum Hersteller in den Handel, und zurück. Nahezu 500 dieser Ladungsträger sind bereits im Einsatz. Jeden einzelnen haben die Forscher im Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML sowie deren Praxispartner auf dem (Bild-)Schirm: Über smaRTI-View, eine zentrale webbasierte Informationsplattform, kontrollieren sie am Rechner die Wege der Paletten. Diese sind keine gewöhnlichen, sondern vielmehr intelligente La-dungsträger: Jede Palette ist mit einem Etikett, bestehend aus RFID-Transponder und Barcode, ausgestattet und so überall auf der Erde eindeutig identifizierbar. Indem sie untereinander und mit bestehenden Systemen kommunizieren und interagieren, können sich die smaRTI-Paletten selbst durch das Logistiknetz routen und dank einer ausgeklügelten Technologie automatisch lokalisiert werden.

Mehr Transparenz in der logistischen Kette

Die neu- und bislang einzigartige Supply-Chain-übergreifende Warenflussverfolgung auf Ladungsträgerebene testen derzeit die Palettendienstleister CHEP sowie die Paletten-Service Hamburg Gruppe, der Hersteller Mars und der Handelskonzern REWE. Damit wird der Materialfluss nicht nur entlang einer unternehmensweiten Supply Chain, sondern erstmals über Unternehmensgrenzen und Branchen hinweg gesteuert.
Die Entwicklungen im Rahmen von smaRTI sorgen für maximale Transparenz im Materialfluss entlang der logistischen Kette:
• Paletten-Dienstleister und Händler können gepoolte oder unternehmenseigene Ladungsträger immer und überall lokalisieren und den Paletteneinsatz und -austausch so besser managen.
• Hersteller und Händler erhalten zudem Informationen über den Standort von Ware, beispielsweise ob sich diese noch auf dem Weg ins Lager oder schon auf der Verkaufsfläche befindet.
Durch die Kennzeichnung der Ladungsträger können Warenbewegungen insgesamt wesentlich schneller identifiziert werden als über die Kennzeichnung der Ware allein. Das reduziert Überbestände, vermeidet Out-of-Stock-Situationen, senkt Fehlverladungsquoten.

smaRTI in Logistics Mall integriert:Datenschutz groß geschrieben

Die Partner im Projekt smaRTI können sich in smaRTI-View seit neuestem auch in der Wolke einloggen – genauer gesagt über die Logistics Mall, assoziiertes Projekt im EffizienzCluster. Mit der Logistics Mall hat das Fraunhofer IML im Innovationscluster „Logistics Mall - Cloud Computing für Logistik“ einen zentralen Handelsplatz für cloud-basierte Logistik-Software aufgebaut und erprobt die Plattform derzeit mit namhaften Unternehmen. „Die smaRTI-Praxispartner können nun als Early Birds frühzeitig Erfahrungen mit dem Cloud Computing und der Mall selbst sammeln“, freut sich Alexander Hille vom Fraunhofer IML, im Forschungsprojekt verantwortlich für die Entwicklung der smaRTI-IT.

Die technischen Herausforderungen bei der Integration des smaRTI-Cockpits in die Mall ergaben sich daraus, dass in den beiden Projekten zwei unterschiedliche Entwicklungsumgebungen benutzt werden – .NET bei smaRTI und Java in der Mall. „Die notwendigen Anpassungen konnten wir jedoch gemeinsam in kurzer Zeit vornehmen – ein weiterer Proof-of-concept der Mall“, sagt Dipl.-Inform. Damian Daniluk, Leitprojektverantwortlicher „Logistics Mall“ des Fraunhofer Innovationsclusters.
Auf Anwenderseite, bei den Praxispartnern von smaRTI, konnte Daniluk zudem Fragen zum Daten-schutz klären, die Unternehmen im Zusammenhang mit Cloud Computing oft stellen: „Wenn die Daten bei seriösen Rechenzentren liegen, dann sind sie dort auch sicher. Datenschutz ist schließlich das Kerngeschäft der Betreiber von Rechenzentren – und so sind die Sicherheitsvorkehrungen dort meist sogar höher als im eigenen Unternehmen.“

smaRTI-View ist nun komplett in die Mall-Umgebung eingebettet und läuft mit anderen Anwendungen auf einer einheitlichen Oberfläche. Nutzen die Praxispartner mehrere Applikationen in der Logistics Mall, können sie problemlos – über Reiter oder Tabs – zwischen diesen switchen. Zu den Vorteilen der Mall-Umgebung gehören auch die Konfigurierbarkeit der Benutzer, die Supportunterstützung sowie das zentrale Abrechnungssystem.

Logistics Mall mit maßgeschneiderten Services

Die Logistics Mall selbst wird in drei Stufen entwickelt, die Dipl.-Inform. Damian Daniluk erläutert:
Stufe 1. Zurzeit sind in der Logistics Mall knapp 40 Anwendungen von einem Dutzend Anbieter nach dem Prinzip Software-as-a-Service nutzbar – die erste Stufe der Mall hat gezündet.
Stufe 2. In einer zweiten Stufe soll den Anwendern die zentrale Verwaltung von Stammdaten über sämtliche von ihnen genutzte Programme hinweg ermöglicht werden. Die Anwendungen sollen zudem miteinander kommunizieren und Nachrichten austauschen.
Stufe 3. Für Stufe 3 schließlich wird Software in kleinste Einheiten zerlegt, die Anwender individuell für ihre jeweiligen Geschäftsprozesse zusammenstellen können. Im Sommer 2013 soll zu dieser dritten Stufe ein Showcase für den Bereich Lagerabwicklung zur Verfügung stehen.

Projekte im Cluster vernetzen sich

Die Integration von smaRTI-View in die Logistics Mall ist nicht zuletzt ein erfolgreiches Beispiel für die zunehmende Vernetzung der Projekte im EffizienzCluster LogistikRuhr. Ein Rad greift ins andere – mit vielen Vorteilen für alle Partner:
• Vorteil: Höhere Sichtbarkeit. Durch den Informations- und Wissenstransfer werden Forschungsergebnisse sichtbar und greifbar. Dabei profitieren die Projekte wechselseitig von der Aufmerksamkeit, die ihnen zuteil wird.
• Vorteil: Mehr Ideen. Darüber hinaus können sich durch das Zusammenspiel verschiedener For-schungsvorhaben im Cluster und die Vernetzung von Partnern auch neue Ansatzpunkte für weitere Forschungsprojekte ergeben – in denen neue Innovationen entstehen.
• Vorteil: Bessere Verwertung. Mit der smaRTI-Anwendung in der Mall ist auch ein früher Schritt hin zu einer Verwertung der Forschungsergebnisse nach Abschluss des Projekts verbunden. „Noch steht unser Software-Prototyp nur der geschlossenen Gruppe unserer Praxispartner zur Verfügung“, betont Alexander Hille. „Doch die Präsenz in der Logistics Mall hilft uns sicherlich, Interesse bei potenziellen Anbietern zu wecken, unsere Arbeit in eine kommerzielle Software für ein Ladungsträger- oder Warenverfolgungsmanagement zu überführen.“

Klick-Tipps
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12. März 2012

Seilroboter soll den Betrieb im Hochregallager revolutionieren

Seilroboter soll den Betrieb im Hochregallager revolutionieren

Die Lehrstühle Mechatronik und Transportsysteme und -logistik der Universität Duisburg-Essen könnten sich glatt einen Namen als „Copperfield“ des EffizienzClusters machen. Denn der Seilroboter, ... mehr

Seilroboter soll den Betrieb im Hochregallager revolutionieren

Die Lehrstühle Mechatronik und Transportsysteme und -logistik der Universität Duisburg-Essen könnten sich glatt einen Namen als „Copperfield“ des EffizienzClusters machen. Denn der Seilroboter, der in einem interdisziplinären Forscherteam im Verbundprojekt Stewart-Gough-Plattform entwickelt wird, bewegt Lasten wie von Zauberhand. Eingespannt in ein Seilsystem schweben sie geradezu in der Luft, wie auf einem fliegenden Teppich. Diese Konstruktion soll künftig den Materialfluss im Hochregallager revolutionieren.

Der Seil-Roboter gilt als mögliche Alternative zu den herkömmlichen Regalbediengeräten im Hochregallager. Die Regalbediengeräte von heute werden zwischen den Regalen auf einer Schiene geführt, ein Hebewerkzeug bewegt die Ware. Schlitten und Lifter bringen zusammen ein bis zwei Tonnen auf die Waage. Dieses hohe Gewicht macht das Gerät schwerfällig: Die Lagerung und Entnahme von Waren aus den Lagerfächern geht entsprechend langsam vonstatten. Gleichzeitig ist der Energieverbrauch des Regalbediengeräts sehr hoch, weil es sein eigenes Gewicht immer mit bewegen muss – während die Waren selbst meist nur 20 bis 50 Kilogramm auf die Waage bringen. Ein Seilroboter modernster Prägung dagegen wiegt gerade einmal 10 Prozent eines herkömmlichen Regalbediengeräts, ist flexibel einsetzbar und überaus wandlungsfähig.

Hoher Freiheitsgrad der Bewegung

Die ersten Ideen für solche Seilroboter entwickelten die Duisburger Forscher bereits vor einigen Jahren für die Bühnentechnik: Ein Theaterregisseur suchte nach Möglichkeiten, seine Darsteller frei im Raum schweben zu lassen. Eine seilbasierte Konstruktion lag nahe, da im Theater viele Vorrichtungen mit Seilen betrieben werden, angefangen beim Vorhang. 
Bei der Entwicklung des Seilroboters lehnten sich die Forscher konzeptionell an die so genannte Stewart-Gough-Plattform an. In den 1980er-Jahren ursprünglich als Testroboter für die Reifenindustrie entwickelt, wird die Stewart-Gough-Plattform durch sechs Hydraulikzylinder angetrieben. Die besondere Anordnung der Zylinder ermöglicht einen vorher nicht dagewesenen Freiheitsgrad in der Bewegung einer Plattform bzw. Last. 
Die Duisburger ersetzten für ihr Theaterprojekt nun die in ihrer ausfahrbaren Länge begrenzten Hydraulikzylinder durch theoretisch „unendlich“ lange Seile. Weil die Seile jedoch – anders als Hydraulikzylinder – nicht gleichzeitig ziehen und schieben können, werden für die maximale Beweglichkeit der gesamten Konstruktion acht statt sechs Antriebe benötigt.
In ihrem ersten Projekt brachten die Forscher dann jedoch nicht Schauspieler zum Schweben, sondern Schiffe – in einem Windtunnel. Ein seilbasierter Roboter hält die Modellschiffe nicht nur, sondern dreht und kippt sie, so dass unterschiedliche Strömungslagen simuliert werden können. Im Prinzip könnte das auch ein herkömmlicher Industrieroboter leisten. Doch dessen „Stahlstempel“ hätten so in den Tunnel geragt, dass die Versuchsergebnisse beeinflusst worden wären. Die gerade einmal fünf Millimeter dünnen Seile aus Hightechfaser stören nicht und sind genauso stabil wie jede Stahlkonstruktion. Im Juni 2011 wurde die Konstruktion an der Universität Hamburg-Harburg in Betrieb genommen.

Modell-Roboter geht in Duisburg in Betrieb

Zurzeit steht das Projekt Stewart-Gough-Plattform des EffizienzClusters LogistikRuhr im Fokus der Duisburger, es ist im Leitthema Wandelbare Logistiksysteme angesiedelt. Seit Juni 2010 beschäftigt sich das Projektteam mit dem Forschungsvorhaben, das insgesamt 60 Monate läuft. Die ersten Simulationen sind abgeschlossen, ein Demonstrator von 12 Meter Breite und 6 Meter Höhe in einer Halle auf dem Duisburger Campus aufgebaut. Statt eines Schiffs bewegt die Konstruktion nun eine Box mit einer Zug-Schubvorrichtung zur Einlagerung und Entnahme von Waren aus einem Hochregallager. Die erste Herausforderung im Modellbetrieb ist es, diese Box sauber vor einem Regalfach zu platzieren. Dafür müssen die Forscher noch wesentliche Parameter entwickeln: Sie tüfteln beispielsweise an der Standsicherheit der Seilverspannungen oder der richtigen Positionierung der Seilwinden.

Erst wenn die Versuche abgeschlossen sind, können auch die Anschaffungskosten oder die Energieeinsparung des Seilroboters gegenüber einem herkömmlichen Regalbediengerät sicher beziffert werden. So viel steht jedoch schon heute fest: Das geringe Eigengewicht der Konstruktion wird den Ressourceneinsatz erheblich reduzieren. Ein weiterer Vorteil: Der Seilroboter kann höhere Regale bedienen als die Geräte heute: Auf der gleichen Fläche können Unternehmen so mehr Lagerflächen einrichten – ein enormer Raumgewinn. Mitte 2013 soll der Seilroboter bei Partnern aus der Wirtschaft in der Praxis getestet werden.

Seile erbringen Höchstleistungen

Für ihr Projekt müssen die Forscher immer wieder auch mit Vorurteilen kämpfen: Die (vermeintliche) Leichtigkeit der sichtbaren Seilkonstruktion wirkt auf den ersten Blick provisorisch und improvisiert. „Seilen wird erstaunlicherweise nicht viel zugetraut“, weiß auch Dr. Tobias Bruckmann vom Lehrstuhl Mechatronik. „Denn tatsächlich werden schwerste Lasten ja seit Menschengedenken mit Seilen transportiert – etwa beim Bau der Pyramiden.“ Aufzüge oder Brücken wie die Golden Gate Bridge in San Francisco hängen heute an Seilen, Ölplattformen werden an Seilen zu ihren Standorten geschleppt. Bruckmann: „Seile erbringen technische Höchstleistungen – und damit sind sie genau richtig in der Logistik!“

Der Seil-Roboter gilt als mögliche Alternative zu den herkömmlichen Regalbediengeräten im Hochregallager. Die Regalbediengeräte von heute werden zwischen den Regalen auf einer Schiene geführt, ein Hebewerkzeug bewegt die Ware. Schlitten und Lifter bringen zusammen ein bis zwei Tonnen auf die Waage. Dieses hohe Gewicht macht das Gerät schwerfällig: Die Lagerung und Entnahme von Waren aus den Lagerfächern geht entsprechend langsam vonstatten. Gleichzeitig ist der Energieverbrauch des Regalbediengeräts sehr hoch, weil es sein eigenes Gewicht immer mit bewegen muss – während die Waren selbst meist nur 20 bis 50 Kilogramm auf die Waage bringen. Ein Seilroboter modernster Prägung dagegen wiegt gerade einmal 10 Prozent eines herkömmlichen Regalbediengeräts, ist flexibel einsetzbar und überaus wandlungsfähig.

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08. März 2012

Eine neue Lernkultur

Eine neue Lernkultur

QUALIFIZIERUNG Die berufliche Weiterbildung in der Logistik steckt noch in den Kinderschuhen. Im Forschungsprojekt „Supply Chain School“ wird derzeit ein ebenso effizientes wie attraktives Konzept für ... mehr

Eine neue Lernkultur

QUALIFIZIERUNG Die berufliche Weiterbildung in der Logistik steckt noch in den Kinderschuhen. Im Forschungsprojekt „Supply Chain School“ wird derzeit ein ebenso effizientes wie attraktives Konzept für die Weiterbildung in und für Unternehmen entwickelt, das mit einer virtuellen Lernplattform Gestalt annehmen soll.

Die Berufsbilder und Berufszugänge in der Logistik sind so vielfältig wie in kaum einer anderen Branche. Während beispielsweise in dem einen Unternehmen ein Ingenieur für die Position des Supply Chain Managers gesucht wird, ist es in einem anderen ein Betriebswirt. Hat sich hier ein Speditionskaufmann als Führungskraft empfohlen, besetzt anderswo ein Akademiker die vergleichbare Position. Die berufliche Weiterbildung in der Logistik wird den unterschiedlichen Vorkenntnissen und Bedürfnissen von Fach- und Führungskräften jedoch bislang nicht gerecht – weder im Hinblick auf die Inhalte noch auf die Art der Wissensvermittlung. So wendet sich bei-spielsweise eine Präsenzveranstaltung, wie sie in der Logistik immer noch vorherrscht, gleichermaßen an den Ingenieur und den Betriebswirt – und wird keinem von beiden gerecht: Der Ingenieur könnte den technischen Part glatt überspringen, während der Betriebswirt genau hier auch noch vertiefende Informationen nachfragt. Der Betriebswirt wiederum ist gerade eigentlich im Job unabkömmlich, so dass er die Hälfte der Veranstaltung draußen am Handy verbringt.

Doch herkömmliche Weiterbildungsmaßnahmen gehen oft nicht nur an den Bedürfnissen der Teilnehmer vorbei, sondern auch an dem Bedarf von Unternehmen. Arbeitgeber stellen immer wieder fest, dass Lehrgänge das Wissen von Mitarbeitern planlos erweitern statt es gezielt abzurunden. Statt Kompetenzen für das eigene Unternehmen aufzubauen, sammeln Mitarbeiter Zertifikate für die Karriere in einem anderen. Denn nach wie vor machen sich Arbeitnehmer durch Weiterbildungen interessant für neue Arbeitgeber: Wissen ist der strategische Rohstoff im globalen Wettbewerb. Dies gilt umso mehr im Zusammenhang mit der Entwicklung der Logistik von der Querschnitts- zur Führungsbranche sowie dem rasanten technologischen Fortschritt.
Tatsächlich haben selbst heute noch weniger als zehn Prozent der Absolventen mit logistischem Hintergrund einen dezidierten Logistik-Abschluss. 35 Prozent der Mitarbeiter in der Logistik werden mit ihrem derzeitigen Wissensstand den Anforderungen der nächsten drei Jahre nicht gewachsen sein. Jährlich müssen in Deutschland mindestens 3.500 Führungskräfte qualifiziert werden.

Angesichts der mangelnden Effizienz klassischer Weiterbildungsmaßnahmen gewinnt eine unternehmensbezogene bzw. betriebsspezifische Weiterbildung mehr und mehr an Bedeutung: Mitarbeiter sollen im und für das eigene Unternehmen qualifiziert werden.

Virtuelle Plattform für "Corporate Academies"


Seit Juni vergangenen Jahres arbeiten die wissenschaftlichen Partner – das Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, die TU Dortmund, Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen und die European Business School – mit den Wirtschaftspartnern BrainNet, FAZ, Materna TMT und SMI Campus GmbH im Forschungsprojekt „Supply Chain School“ an einem Systemkonzept für eine solche berufsbegleitende Weiterbildung. Ziel ist es, die unternehmensbezogene Qualifizierung im Bereich des mittleren und höheren Managements wissenschaftlich zu fundieren. Das Forschungsvorhaben ist eines von mehr als 30 Projekten, in denen im Rahmen des EffizienzCluster LogistikRuhr Innovationen für die Logistik vorangetrieben werden.

Unternehmensspezifisch konfektionierte Trainingskonzepte gibt es zwar auch heute schon, etwa in Form von Corporate Academies und Inhouse-Schulungen, wie sie das Dortmunder IML anbietet. Manch ein Unternehmen organisiert die berufsbegleitende Weiterbildung seiner Mitarbeiter sogar bereits über eine virtuelle Plattform. Die Supply Chain School entwickelt den Ansatz virtueller Corporate Academies nun entscheidend weiter und hinterlegt ihn mit didaktischen Konzepten und innovativen Methoden. Damit soll Logistik-Weiterbildung für die Arbeitgeber noch effizienter und für die Mitarbeiter noch attraktiver werden.

Für Unternehmen wird zudem das eingebaute Messinstrumentarium zum „Return on education“ noch einmal von besonderer Bedeutung sein. Es soll einen quantitativen Nachweis des Lerneffekts ermöglichen, unter anderem durch regelmäßige Online-Lernzielkontrollen vor und nach jeder Bildungsmaßnahme.

Lernatome schaffen kompetenzbasierte Wissenswege

Über die „Corporate Academy“ können Unternehmen ein maßgeschneidertes Weiterbildungsprogramm für jeden einzelnen Mitarbeiter zusammenstellen. Dazu wird zunächst das Weiterbil-dungsprofil des potenziellen Teilnehmers ermittelt – teils computergestützt, teils im Gespräch. Vorkenntnisse des Mitarbeiters fließen ebenso in das Profil ein wie künftige Anforderungen. Das Profil wird dann in die Plattform eingespeist und automatisch mit passenden Bildungsinhalten verknüpft.
Eine Grundlage dafür wurde durch die systematische Erfassung der Jobprofile über den FAZ-Stellenmarkt im vergangenen Jahr bereits geschaffen. Erstmals konnten dabei die erforderlichen Kompetenzen für Berufe in der Logistik kategorisiert werden. In einem nächsten Schritt wird nun der Lernstoff – der Content für die Bildungsplattform – zusammengetragen. Damit der Teilnehmer tatsächlich nur den Stoff durcharbeiten muss, den er noch nicht kennt bzw. der seinem Profil entspricht, wird das Logistik-Wissen in so genannte Lernatome zerlegt. Diese Kleinst-Lerneinheiten setzt die Plattform dann zu individuellen kompetenzbasierten Lernpfaden zu-sammen.
Außerdem soll ein Standard entwickelt werden, der es ermöglicht, Forschungsthemen zeitnah in Bildungsinhalte zu überführen. Unternehmen – und Mitarbeiter – können durch die enge Verzahnung von Lehre, Forschung und Wirtschaft so jederzeit von aktuellen Ergebnissen profitieren.

Hightech-Lernen in einer Hightech-Disziplin

Gleichzeitig erarbeitet die „Supply Chain School“ ein Konzept für die zeitgemäße Vermittlung von Wissen. Anders als etablierte Führungsbranchen wie die Chemie- oder die Pharmaindustrie steckt die junge Hightech-Disziplin Logistik hier noch in den Kinderschuhen.
Im Fokus steht das so genannte Blended Learning, die Mischung aus dozentenzentriertem Lernen und selbstgesteuertem Lernen (eLearning). Blended Learning befreit die Logistik-Weiterbildung aus dem starren Korsett der reinen Präsenzveranstaltungen. Präsenzveranstaltungen behalten zwar weiterhin ihre Berechtigung, unter anderem auch weil sie die Komunikation zwischen den Teilnehmern fördern. Doch neue flexible Lernsituationen sorgen dafür, dass Teilnehmer auch unproduktive (Arbeits-)Zeiten für die Weiterbildung nutzen, an verschiedenen internationalen Standorten lernen oder ihre Aufgaben zuhause erledigen können.
Darüber hinaus berücksichtigt die neue Lernkultur unterschiedliche Lerntypen: Der auditive Typ kann auf Hörbücher zugreifen, der visuelle Typ Planspiele („Serious Gaming“) lösen, der kommunikative Typ in Web-Based Trainings mit Tutoren diskutieren. Jedem Einzelnen wird es so ermöglicht, die für ihn beste Lernmethode zu nutzen und bis auf die Ebene des Lernatoms auf das Medium seiner Wahl zurückzugreifen.

Effiziente Weiterbildung für eine effiziente Logistik

Das Forschungsprojekt „Supply Chain School“ ist auf vier Jahre angelegt, 2015 soll die virtuelle Plattform marktreif sein. Erste Gespräche mit Unternehmen belegen bereits ein deutliches Interesse an einer effizienten Weiterbildung für eine effiziente Logistik.

Autoren: Dipl.-Ing. Lars Nagel, Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik, Leitthemen-entwickler Logistische Gestaltungskompetenz im EffizienzCluster LogistikRuhr und Mitglied der Geschäftsleitung der EffizienzCluster Management GmbH, Dipl.-Logist. Maria Beck, TU Dort-mund, Lehrstuhl für Förder- und Lagerwesen, beide Koordinatoren des Verbundprojekts „Supply Chain School“ im EffizienzCluster LogistikRuhr.

Der Namensbeitrag ist erschienen im Fachmagazin „Logistik heute“ Ausgabe Jan./Feb. 2012
 

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